1. Ayurvedische Kräuter

Der Ayurveda bietet viele Kräuter und Gewürze, die schnell und sanft helfen. Für eine erfolgreiche ayurvedische Behandlung sind Kenntnisse über die individuelle Konstitution und den aktuellen Gesundheitszustand erforderlich. Zur Erhaltung der Gesundheit und Linderung kleinerer Beschwerden kann sich jeder selbst helfen.

Wichtiger Hinweis: Sollten Beschwerden länger als drei Tage anhalten oder sich verschlechtern, suchen Sie unbedingt einen fachkundigen Therapeuten auf. Schwangere, Kinder und chronisch erkrankte Menschen sollten vor Einnahme der Kräuter einen Arzt oder medizinisch qualifizierten Therapeuten konsultieren.

Ayurvedische Betrachtung:

Geschmack (Rasa)

Es werden sechs Geschmacksrichtungen unterschieden: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb. Jeder Geschmack vertritt zwei der fünf Elemente der Natur. Die ersten drei Geschmäcker erhöhen Kapha und senken Vata, die letzten drei senken Kapha und erhöhen Vata. Sauer, salzig und scharf erhöhen Pitta, während süß, bitter und herb dieses senken. Jedem Geschmack werden eigenständige Wirkungen auf den Körper zugewiesen.

Eigenschaften (Guna)

Diese werden in zehn Gegensatzpaaren dargestellt, von denen die wichtigsten heiß-kalt, trocken-feucht, leicht-schwer und träge-spitz sind. Der gezielte Einsatz einer Eigenschaft gleicht die jeweils entgegengesetzte aus und wirkt entsprechend lindernd. Ein Beispiel ist die trocken-heiße Wirkung von Ingwerpulver bei schleimigen Erkältungskrankheiten.

Wirkung nach Verdauung (Vipaka)

Gemäß Ayurveda ändert sich die Wirkung eines Geschmackes nach Verdauung der Substanz im Magen-Darm-Trakt vor Aufnahme in die Blutbahn. Süß und salzig werden süß; sauer bleibt sauer; scharf, bitter und herb werden scharf. Es gibt aber auch Ausnahmen von dieser Regel: manche Früchte wie Amalaki schmecken sauer, wirken aber nach der Verdauung süß – und reduzieren dadurch sogar Beschwerden durch übermäßige Säure. Manche Gewürze wie der Langpfeffer (Pippali) schmecken scharf, wirken aber nach der Verdauung süß – und reizen weniger die Schleimhäute.

Thermische Kraft (Virya)

Dem Temperaturverhalten wird eine große Bedeutung beigemessen. Erhitzende Substanzen öffnen Körperkanäle, regen die Zirkulation an, stimulieren Verdauung und Stoffwechsel. Kühlende Substanzen ziehen zusammen, verlangsamen Prozesse, beruhigen, nähren und bauen auf.

Dosha-Bezug und Wirkung (Karma)

Gemäß der Zuordnung einer Substanz nach Geschmack, Eigenschaften, Wirkung nach Verdauung und Thermik ergibt sich ein Gesamtbild hinsichtlich ihrer Wirkung auf Vata, Pitta und Kapha und ihrer Einsatzmöglichkeiten bei Beschwerden.

Zubereitungsformen

Die meisten Kräuter und Gewürze sind in unterschiedlichen Zubereitungsformen wie Pulver, Presslinge oder Elixiere im Ayurveda Fachhandel erhältlich. Meistens werden die Substanzen nach der Ernte getrocknet und dann fein ausgemahlen. Diese Pulver (Churna) werden in Flüssigkeiten wie Wasser, Tee oder Milch eingerührt. Ihre Haltbarkeit ist relativ unbegrenzt, das Aroma und einige Wirkstoffe nehmen aber mit dem Alter ab. Deshalb empfiehlt sich spätestens nach zwei Jahren ein Neukauf der Produkte, feine Gewürze sollten sogar jährlich erneuert werden.

Ayurvedische Beschreibung:

Ajwain, der Königskümmel – für einen freien Bauch
Geschmack: bitter, scharf
Eigenschaften: leicht, trocken, spitz

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: Vata und Kapha reduzieren.

Amalaki, die indische Stachelbeere – Königin der Prävention

Geschmack: alle außer salzig

Eigenschaften: trocken, spitz

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: kühlend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Ashwagandha, der indische Ginseng – Kraft und Ruhe pur

Geschmack: bitter, süß, scharf

Eigenschaften: leicht, ölig

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: Vata und Kapha reduzierend

Brahmi, das Nabelkraut – für den gesunden Geist

Geschmack: bitter, herb

Eigenschaften: leicht

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: Vata und Kapha reduzierend

Guduchi, der Schützer – für das Immunsystem

Geschmack: bitter, herb

Eigenschaften: schwer, ölig

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Guggulu, die indische Myrrhe – für den gesunden Stoffwechsel

Geschmack: bitter, herb, scharf

Eigenschaften: nicht-schleimig, trocken, subtil, leicht, spitz, rau

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend.

Haridra, die Gelbwurz – der Entzündungshemmer

Geschmack: bitter, scharf

Eigenschaften: leicht, trocken

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Haritaki, die Wunderfrucht – für eine gesunde Darmentleerung

Geschmack: alle außer salzig

Eigenschaften: leicht, trocken

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Nimba, der Nimbaum – das beste natürliche Antimikrobiotikum

Geschmack: bitter, herb

Eigenschaften: leicht, trocken

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: kühlend

Dosha-Bezug: Kapha und Pitta reduzierend

Pippali, der Langpfeffer – für Ihre freie Atmung

Geschmack: scharf

Eigenschaften: leicht, ölig, spitz

>Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: leicht erhitzend

Dosha-Bezug: Vata und Kapha reduzierend

Sariva, die Wohlriechende – für ein gesundes Hormonsystem

Geschmack: süß, bitter

Eigenschaften: schwer, ölig

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: kühlend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Sat Isabgol, der indische Flohsamen – für Ihre Darmgesundheit

Geschmack: süß

Eigenschaften: schwer, ölig, schleimig

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: kühlend

Dosha-Bezug: Vata und Pitta reduzierend

Shatavari, die Spargelwurzel – „die über 100 Männer verfügt“…

Geschmack: süß, bitter

Eigenschaften: schwer, ölig

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: kühlend

Dosha-Bezug: Vata und Pitta reduzierend

Tulsi, der heilige Basilikum – für die Atemwege

Geschmack: scharf, bitter

Eigenschaften: leicht, trocken

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: Vata und Kapha reduzierend

 

2. Wichtige ayurvedische Kräutermischungen

Trikatu

Die berühmteste scharfe Gewürzmischung im Ayurveda setzt sich aus trockenem Ingwer, schwarzem Pfeffer und langem Pfeffer zusammen. Sie wirkt stark erhitzend, regt die Zirkulation in allen Körperkanälen an und fördert die Entschleimung. Anwendung: 1-3x täglich je ½ Teelöffel des Pulvers (Trikatu Churna) mit etwas Thymianhonig und warmem Wasser vermischt einnehmen.

Triphala

Die Dreifruchtmischung ist aus dem Ayurveda nicht wegzudenken und gilt als eine der wichtigsten Rasayana-Mischung zur Regeneration. Sie unterstützt die Verdauung, pflegt Haut und Haare und stärkt die Augen. Anwendung: abends 2 Stunden vor dem Schlafen einen Teelöffel des Pulvers (Triphala Churna) in warmem Wasser angerührt einnehmen.